
GLOCK GR-115: Vom Pistolenpionier zum Gewehrhersteller
GLOCK GR-115: Vom Pistolenpionier zum Gewehrhersteller
Die Geschichte von GLOCK ist ein Paradebeispiel für unternehmerische Vision und technische Disruption. Als Gaston Glock 1980 die damals revolutionäre GLOCK 17 vorstellte, veränderte er die Welt der Dienstwaffen nachhaltig. Mit einem innovativen Polymer-Rahmen, einem einfachen, sehr zuverlässigen Safe-Action-System und einer bis dahin ungekannten Robustheit setzte die Marke aus Deutsch-Wagram einen neuen Standard für Behördenwaffen.
Binnen weniger Jahre wurden GLOCK-Modelle von Polizei- und Militäreinheiten auf der ganzen Welt eingeführt, nicht zuletzt, weil sie gegenüber traditionellen Systemen durch geringes Gewicht, hohe Verfügbarkeit und einfache Wartung überzeugten. Die Marke wurde zum Synonym für Zuverlässigkeit — ein Meilenstein, der bis heute nachwirkt.
Doch so dominant GLOCK im Bereich von Selbstladepistolen auch war und ist — der Übergang zu Langwaffen war ein bislang unbeschrittener Schritt. Bis vor wenigen Jahren hatten sich Konkurrenten wie Heckler & Koch, FN Herstal oder SIG Sauer das Terrain der Gewehre untereinander aufgeteilt. GLOCK hingegen konzentrierte sich fast ausschließlich auf Pistolen und ganzheitliche Systeme rund um Dienstwaffen, Zubehör und Trainingslösungen. Dies änderte sich erst im frühen Jahrzehnt der 2020er, als sich erste Hinweise auf ein volles Gewehrprojekt häuften.
Vom Gerücht zur Realität: Die Entstehung des GR-115/GR-115F
Die ersten Bilder und Patentanmeldungen, die 2021 und 2022 auftauchten, zeigten ein AR-15-ähnliches Langwaffensystem mit klaren GLOCK-Markierungen — kein Fake, sondern ein Hinweis auf ein echtes Entwicklungsprojekt. Dieses Modell wurde intern als GR-115F bezeichnet, was von vielen Beobachtern als „GLOCK Rifle, Modell 1“ interpretiert wurde.
Während frühe Leaks noch Spekulation blieben, bestätigte sich mit Veröffentlichung von Dokumenten der österreichischen Behörden, dass das System offiziell als GR-115 zur Zulassung als ziviles Halbautomatikgewehr angemeldet wurde. Dieses AR-15-basierte System sollte zugleich den Behörden- und den zivilen Markt adressieren — eine strategisch kluge Entscheidung, um breitere Marktzugänge zu erschließen.
Parallel dazu kursierten Fotos des GR-115F in britischen Ausschreibungen, die zeigten, dass die Waffe praktisch serienreif ist und – zumindest bei der Korpusform – mit einem klassischen AR-Pattern kompatibel erscheint: M-LOK-Handschutz, ambidextre Bedienelemente und ein verstellbarer Schaft sind nur einige der Details mit modernem Tactical-Touch.
Technische Architektur: Klassisch, aber durchdacht
Der GR-115/GR-115F basiert auf dem etablierten AR-15-System und nutzt typische NATO-Technologien, was sowohl für Vergleichbarkeit als auch für Interoperabilität spricht. Die grundlegenden technischen Eckpunkte sind bemerkenswert klassisch, aber mit modernen Details versehen:
Kaliber: 5,56×45 NATO — Standard für westliche Behörden und Militärs, was Logistik und Munitionsteilbarkeit erleichtert.
Gas System: Offenbar Direct-Impingement, also direkte Gasdruckrückführung, die für präzise Schussfolge sorgt.
Lauflängen: Varianten mit ca. 11,5″ bis 14,5″, was ein breites Einsatzspektrum erlaubt — von urbanen CQB-Szenarien bis zu Standard-Dienstlängen.
Materialien: Kombination aus hochfestem 7075-T6 Aluminium und robusten Polymerkomponenten, passend zum GLOCK-Erbe.
Bedienung: Vollständig ambidextre Bedienelemente für Sicherheit, Magazin- und Verschlussfreigabe – heute ein Muss im taktischen Umfeld.
Montagesysteme: MIL-STD Picatinny oben und M-LOK am Handguard bieten maximale Modularität für Optiken, Licht, Laser etc.
Gewicht: Angaben variieren je nach Konfiguration, liegen aber mit rund 2,7–3 kg im wettbewerbsfähigen Bereich.
Für Behördenkunden wurde auch Wert auf die Integration von Zubehör zum Einsatz gemacht: Klapp-Visiere, Tritium-Nachtsichtoptionen und kompatible Magpul-Komponenten sind Teil der bekannten Leaks.
Ausschreibungen & Einsatz: Großbritannien im Fokus – und erste Sichtungen in der Slowakei
Die offizielle Auswahl des Glock GR-115 als Standardkarabiner für britische bewaffnete Polizeieinheiten markiert einen tiefgreifenden Wandel in der Wahrnehmung von GLOCK als reinen Pistolenhersteller hin zu einem ernstzunehmenden Langwaffenanbieter. Im Januar 2026 bestätigte der britische Distributor Viking Arms, dass das GR-115-System nach einem der umfangreichsten Waffentests der letzten zwei Jahrzehnte als „firearm of choice“ für Spezial- und bewaffnete Polizeieinheiten in ganz Großbritannien ausgewählt wurde.
Dabei erzielte die Waffe insbesondere in puncto Genauigkeit – sowohl mit als auch ohne Schalldämpfer – die höchsten Ergebnisse im Testfeld, was in der Ausschreibung ein entscheidender Faktor war. Die Entscheidung umfasst neben der reinen Beschaffung auch weiterführende Unterstützung, Trainings- und Logistikprogramme, die GLOCK gemeinsam mit lokalen Partnern für die britischen Behörden bereitstellen will.
Die britische Ausschreibung folgt dem sogenannten National Police Primary Carbine Tender, einem Vergabeverfahren zur Modernisierung der Ausrüstung bewaffneter Polizeieinheiten im Vereinigten Königreich. Der Zuschlag an GLOCK unterstreicht nicht nur die technische Leistungsfähigkeit des GR-115, sondern auch das Vertrauen in die langfristige Einsatzfähigkeit eines systemspezifischen AR-15-Designs im 5,56×45 mm-Kaliber, das den britischen Behörden eine robuste, modulare und interoperable Lösung bietet.
Sichtungen bei slowakischen Behörden
Parallel zu den offiziellen Ausschreibungsverfahren in Großbritannien gibt es über mehrere Monate immer wieder Berichte und Bilder aus der Slowakei, wonach dortige Sicherheitsbehörden erste Exemplare des GR-115 bzw. seiner frühen AR-15-Variante erproben bzw. im praktischen Einsatz testen. So sind Fotos im Umlauf, die scheinbar Glock-AR-15-Karabiner im Dienstgebrauch slowakischer Polizeibeamter zeigen, teils mit Optiken und taktischem Zubehör bestückt. Damit wird der Verdacht gestützt, dass GLOCK in der Slowakei nicht nur Produktions- und Montagekapazitäten nutzt, sondern auch dortige Behörden als frühe Evaluationspartner für sein neues Langwaffensystem dienen.
In diesen Sichtungen tragen die Gewehre Merkmale, die mit den bekannten Leak-Fotos des GR-115F übereinstimmen, darunter typische AR-15-Ergonomien sowie Glock-Markierungen am Lower Receiver. Die Zahl der im Einsatz erscheinenden Gewehre ist bislang nicht offiziell bestätigt, doch spricht die Präsenz mehrerer Exemplare in dienstlichen Kontexten dafür, dass GLOCK und lokale Behörden gemeinsame Erprobungen durchführen. Diese könnten Teil eines schrittweisen Ansatzes sein, bei dem Behördenfeedback in die Weiterentwicklung und Anpassung des Systems einfließt, bevor es endgültig an größere Behördenkunden ausgeliefert wird.
Zwischen Reflexion und Perspektive
Die Kombination aus einer erfolgreichen Herausfordererausschreibung in Großbritannien und den informellen Sichtungen in der Slowakei lässt zwei Entwicklungen erkennen: Zum einen hat GLOCK mit dem GR-115 ein System geschaffen, das den strengen Anforderungen moderner Behörden gerecht wird — modular, zuverlässig und leistungsstark im etablierten NATO-Kaliber. Zum anderen nutzt der Hersteller offenbar kooperative Testszenarien im europäischen Raum, um das System unter realen Bedingungen zu erproben und weiter zu optimieren, bevor eine breitere Distribution erfolgt.
Diese strategische Doppelspur – formelle Vergabeverfahren einerseits und dezentrale Praxissichtungen andererseits – spricht für ein bewusstes, iteratives Markteinführungsmodell. Für Beobachter und potenzielle Anwender ist dies ein früher Hinweis darauf, wie GLOCK seine Rolle im langwaffentechnischen Wettbewerb neu definiert.
Zivile Perspektiven und Marktchancen
Die Registrierung des GR-115 als ziviles Halbautomatikgewehr in Österreich und möglicherweise anderen EU-Ländern deutet darauf hin, dass GLOCK seinen Fuß auch in den zivilen Markt setzen will. Gerade in Europa, wo AR-Pattern-Gewehre eine wachsende Fangemeinde bei Sportschützen und Behördenfanboys haben, wäre ein seriöses GLOCK-Langwaffensystem eine attraktive Ergänzung zum bestehenden Portfolio.
Ob und in welcher Form der GR-115 als Semi-Auto-Version auch außerhalb Europas – speziell in den USA – erscheint, bleibt abzuwarten. Doch mit seiner Performance in offiziellen Tests und seiner modernen Ausstattung hat das Modell das nötige Potenzial, sich im traditionellen AR-Markt zu behaupten.
Fazit: Ein Meilenstein für GLOCK — und die Branche
Mit dem GR-115/GR-115F hat GLOCK einen gewaltigen Schritt unternommen: Vom spezialisierten Pistolenbauer zum ernstzunehmenden Anbieter von Langwaffen. Die Entscheidung britischer Behörden, das System zu adoptieren, unterstreicht nicht nur die Leistungsfähigkeit des Designs, sondern markiert auch einen strategischen Erfolg für den österreichischen Hersteller. Technisch kombiniert der GR-115 bewährte AR-Elemente mit modernen taktischen Features, die in der Praxis überzeugen dürften.
Sollte GLOCK den Übergang in den zivilen Markt meistern, könnte dies einen neuen Wettbewerbsimpuls in einem Marktsegment geben, das lange von wenigen etablierten Herstellern dominiert wurde. Für Behörden, Sportschützen und Waffenenthusiasten ist der GR-115 ein spannendes neues Kapitel in der Entwicklung zeitgemäßer Karabiner – und ein klares Signal, dass GLOCK mehr kann als nur Pistolen.
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